Pilotprojekt im Rahmen der Hessischen Nachhaltigkeitsstrategie

Sozialminister Stefan Grüttner: „Gesunder Lebensstil gewinnt immer mehr an Bedeutung".

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„Bewegung ist ein wesentlicher Faktor zur Förderung und Erhaltung der Gesundheit – und zwar in allen Lebenslagen. Vor allem vor dem Hintergrund der zunehmenden Alterung der Bevölkerung gewinnt ein gesunder Lebensstil von klein auf immer mehr an Bedeutung. Wer möglichst lange aktiv und selbstständig lebt und am gesellschaftlichen Leben teilhaben kann, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch länger körperlich und seelisch gesund bleiben“, sagte der Hessische Sozialminister Stefan Grüttner in Hanau anlässlich der Eröffnung des Bewegungsparcours.

Hanau freue sich, Pilotstadt für das neuartige Bewegungsprogramm zu sein, erklärte Claus Kaminsky, Oberbürgermeister der Stadt Hanau: „Dieses niederschwellige und durchaus spielerische Angebot für Menschen, die nicht sportlich aktiv sind, passt gut zu unseren Bemühungen, in einer Gesellschaft langen Lebens die Interessen älterer Menschen auch und gerade bei der Gesundheitsprävention in den Blickpunkt zu rücken.“

Der Landessportbund Hessen begrüßt die Einrichtung von Bewegungsparcours für ältere Menschen in öffentlich gut zugänglichen Parkanlagen als Erweiterung von Infrastrukturen für Sport- und Bewegungsangebote. „Sie können eine sinnvolle Ergänzung der bestehenden Vereinsangebote sein, insbesondere wenn eine Beratung und Einführung zur Nutzung der Geräte stattfindet“, unterstrich Dr. Susanne Lapp, Vizepräsidentin des Landessportbundes. „Daher werden wir gemeinsam mit dem Sportkreis Hanau und den örtlichen Sportvereinen Sorge dafür tragen, dass zeitweise Bewegungsberater für die Bewegungsparcours zur Verfügung stehen. Die Vereine werden wir anregen, die neue Sportstätte kreativ zu nutzen und in ihre Organisationsstruktur einzubinden.“

Hanau ist neben Darmstadt eine der beiden hessischen Pilotstädte, in denen das Hessische Sozialministerium je einen Bewegungsparcours für ältere Menschen zur Verfügung stellt. In einer ersten dreimonatigen Testphase erproben 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer unter wissenschaftlicher Anleitung und Auswertung den Bewegungsparcours. Für die wissenschaftliche Begleitung zuständig sind die Hochschule Darmstadt, die Abteilung Sportmedizin der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt sowie die Hochschule RheinMain.

„Über die psychologischen Wechselwirkungen werden die Lebensqualität und die Lebensfreude der Teilnehmer und Teilnehmerinnen gefördert, dauerhaft angeregt und stabilisiert. Wissenschaftliche Erkenntnisse weisen darauf hin, dass als Folge von sportlicher Aktivität eine Verminderung von Ängsten und Depression, eine erhöhte Stresstoleranz, eine Verbesserung der Grundstimmung und eine grundsätzlich höhere Zufriedenheit erreicht werden kann. Auch die soziale Dimension spielt bei diesem Prozess eine erhebliche Rolle. Der Bewegungsparcours bietet die Chance, sich bei Sport und Bewegung zu begegnen und der sozialen Isolation, Ausgrenzung und Stigmatisierung im Alter die rote Karte zu zeigen“, unterstrich Prof. Dr. Volker Beck, vom Fachbereich Gesellschaftwissenschaften und Soziale Arbeit der Hochschule Darmstadt.

Ziel des Parcours ist es, Seniorinnen und Senioren zur gesundheitsfördernden Bewegung an der frischen Luft zu motivieren. Die Prävention vor Alterskrankheiten wie Herzinfarkt und Diabetes steht bei einem solchen Bewegungsangebot im Vordergrund. Jeder Fünfte (insgesamt 1,2 Millionen Menschen) in Hessen ist mittlerweile über 65, mit steigender Tendenz. Die Erkrankungshäufigkeit an Diabetes-Typ-2, der erworbenen oder Altersdiabetes, steigt deutlich mit dem Lebensalter, kann aber durch gezielte Präventionsprogramme mit Fokus auf Bewegung und Ernährung verhindert werden. Unter den 70-Jährigen in Hessen leidet heute ungefähr jeder Fünfte an Diabetes. Bei den 75- bis 80-Jährigen steigt der Anteil auf 25 Prozent. Diabetes-Typ-2 ist dadurch eine der wichtigen und in ihren Konsequenzen teuersten chronischen Erkrankungen in Hessen.

„Gesundheitliche Prävention ist eine der wichtigen gesellschaftspolitischen Querschnittsaufgaben, die viele einzelne Politikbereiche betrifft, vernetzt und aufeinander abgestimmte Konzepte erfordert“, betonte Sozialminister Grüttner. Aus diesem Grund habe die Hessische Landesregierung im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie das Gesundheitsförderprogramm „GesundLeben – GesundBleiben“ aufgelegt. Es soll die Prävention in den verschiedenen Lebensphasen durch Projekte und Programme fördern. Die Bewegungsparcours für ältere Menschen sind ein Baustein in diesem Maßnahmenbündel.

Am 26.9. 2011 dankte der Hessische Sozialminister Stefan Grüttner und Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky den Seniorinnen und Senioren, die sich im Rahmen des Pilotprojektes der Hessischen Nachhaltigkeitsstrategie für den Bewegungsparcours als Probandinnen und Probanden zur Verfügung gestellt hatten. „Bewegung ist ein wesentlicher Faktor zur Förderung und Erhaltung der Gesundheit – und zwar in jedem Lebensalter. Vor allem vor dem Hintergrund des demografischen Wandels gewinnt ein gesunder Lebensstil von klein auf immer mehr an Bedeutung. Wer möglichst lange aktiv und selbstständig lebt und am gesellschaftlichen Leben teilhaben kann, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch länger körperlich und seelisch gesund bleiben“, sagte der Hessische Sozialminister Stefan Grüttner in Hanau. „Der Bewegungsparcours in Hanau ist für uns ein voller Erfolg. Die 58 Probandinnen und Probanden im Alter zwischen 65 und 91 Jahren haben alle, bis auf einen Krankheitsfall, über drei Monate mit drei Trainingsterminen in der Woche den Parcours genutzt.“

Der zweite Bewegungsparcours, der als Modellprojekt im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie der Hessischen Landesregierung initiiert wurde, eröffnete am 11. Juli 2011 in Darmstadt, im Bürgerpark Nord

Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch erklärte bei der Eröffnung: „Nachdem bereits in Wixhausen auf dem Gelände der Begegnungsstätte der Aktiven Senioren ein Bewegungsparcours entstanden ist, können wir mit dem Parcours im Bürgerpark eine breite Öffentlichkeit zum Mitmachen motivieren. Das ist ein hervorragendes Angebot, um Prävention und Gesundheitsförderung praktikabel zu machen.“ Die Nutzung des Bewegungsparcours mindere bei älteren Menschen das Sturzrisiko und die Sturzangst deutlich und nachhaltig, da sie sich sicherer bewegten und damit mobiler seien, fügte Sozialdezernentin Barbara Akdeniz hinzu: „Der Bewegungsparcours ist ein weiterer Schritt auf dem Weg in eine altersgerechte und gesunde Stadt.“

Bisherige Untersuchungen zur Nutzung von Bewegungsparcours von Prof. Dr. Grit Hottenträger, Landschaftsarchitektin an der Hochschule RheinMain, haben gezeigt, dass die Nutzergruppe abhängig ist von den Standorten der Parcours und vor allem auch der Auswahl der Geräte. „So gibt es Parcours, die sehr gut von Sportlern genutzt werden, solche, die auch gerne von älteren Menschen zum Trainieren oder die von Familien generationsübergreifend angenommen werden. Interessant wird bei diesem Parcours sein, wie sich Anleitung- und Betreuungsangebote auf das Profil der Nutzer und Nutzerinnen auswirkt. Für die Planung von Parcours sind das weitere entscheidende Kriterien“, so Prof. Dr. Grit Hottenträger.

Selbst Verantwortung für die eigene Gesundheit übernehmen

Angesichts einer alternden Bevölkerung werden Gesundheitsförderung und Prävention künftig eine immer größere Rolle spielen. Das sagte der Hessische Sozialminister Stefan Grüttner bei der Landeskonferenz „Gesund bleiben mitten im Leben – Strategien der Gesundheitsförderung für Frauen und Männer“, die am 31.10.2011 im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie der Hessischen Landesregierung in Frankfurt am Main veranstaltet wurde. „Staatlich geförderte Projekte zur Prävention und Gesundheitsförderung sind unverzichtbar. Vor dem Hintergrund der Lage der öffentlichen Haushalte sowie der Herausforderung, das Gesundheitssystem finanzierbar zu erhalten, wird es in Zukunft noch stärker darauf ankommen, selbst Verantwortung für die eigene Gesundheit zu übernehmen. Gesundheit ist ein hohes persönliches Gut. Sie zu bewahren muss Aufgabe jedes Einzelnen sein“, betonte Grüttner. Jede Bürgerin und jeder Bürger sei gefordert, sich gesund und fit zu halten, um spätere Folgeschäden aus ungesunder Lebensweise zu vermeiden.
 

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