Kosten-Nutzen-Vergleich Naturrasen – Kunstrasen

Kosten-Nutzen-Vergleich Naturrasen – Kunstrasen

Schlussendlich haben beide Systeme ihren anteilmässigen Stammplatz auf den Sportanlagen. Wichtig sind die richtige Planung, der fachgerechte Bau und der richtige Unterhalt der beiden Sportrasensysteme, damit diese den Sportlern Freude beim Spiel bereiten.

Rasen- und Kunstrasenspielfelder machen mehr als 70 % der Oberfläche aller Frei-sportanlagen aus. Sie haben somit einen wesentlichen Einfluss auf die Gesamtkosten (Investitionen, Unterhalts- und Betriebskosten) einer Sportanlage.

Seit der Einführung von Kunstrasen der dritten Generation wird es immer schwieriger für Bauherren, Planer und Betreiber, die richtige Entscheidung für einen Natur- bzw. Kunstrasen zu treffen. Es besteht eine allgemeine Verunsicherung in Bezug auf Bausysteme und deren Baukosten, sowie auf die Nutzung und die dadurch anfallenden Unterhaltskosten. Es wird immer schwieriger, bei der großen Auswahl von Produkten sowie den verschiedenen Sach- und Fachmeinungen, das für den eigenen Gebrauch und Nutzen richtige Naturrasen- oder Kunstrasenprodukt zu finden.

Als Vorteile der Kunststoffrasenflächen gelten im Vergleich zu Rasen- oder Tennenflä-chen eine geringere Witterungsanfälligkeit, eine wesentlich grössere Nutzung und ein geringerer Pflegeaufwand. Die Herstellungskosten sind wesentlich höher. In die Wirt-schaftlichkeitsüberlegung sind außerdem Kosten für die Entsorgung einzubeziehen.

In der Stadt Basel wurde daher eine Studie durchgeführt mit dem Ziel einer größeren Kosten- und Nutzungstransparenz. Als Datenbasis für den Kostenvergleich dienten die in der Stadt Basel gebauten und in Betrieb gestellten Natur- und Kunstrasenfelder.

Dem vorgenommenen Kostenvergleich liegen folgende Annahmen und Parameter zugrunde:

• Die Herstellungskosten sind insbesondere baustoffbedingt und demzufolge regional verschieden.
• Ausgangslage für die Berechnungen ist ein 7.500 m² großes Fußballspielfeld in flachem Gelände und mit einem tragfähigen Boden in einer durchschnittlichen Lage in Zentralmitteleuropa.
• Der zu Grunde gelegte Zeithorizont beträgt 45 Jahre.
• Die angegebenen Preise sind Ergebnisse verschiedener Submissionen auf dem schweizerischen Markt. Der Wechselkurs SFr / EUR beträgt ca. 1 SFr = 0,60 Euro.

Kostenübersicht für ein Fußballspielfeld (7.500m²)

Die Kosten, welche beim Naturrasen und beim Kunststoffrasen im Zeithorizont von 45 Jahren entstehen, spielen bei der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung eine grosse Rolle.

Bau- und Entsorgungskosten Naturrasen:
Erstellungskosten SFr 459.000,00
Entsorgungskosten keine
Austauschkosten SFr 90.000,00
Summe Investitionskosten in 45 Jahren SFr 549.000,00
Unterhalts- und Betriebskosten Naturrasen pro Jahr sFr 105.250,00


Bau- und Entsorgungskosten Kunstrasen:
Erstellungskosten SFr 1.246.500,00
Entsorgungskosten (in der Schweiz) SFr 240 000,00
Austauschkosten SFr 825.000,00
Total Investitionskosten in 45 Jahren SFr 2.311.500.00
Unterhalts- und Betriebskosten Kunstrasen pro Jahr SFr 116.950,00


Wirtschaftlichkeitsbetrachtung: Kostenvergleich Naturrasen / Kunstrasen bei ei-nem Fußballspielfeld (7.500m²)

Wesentliches Kriterium für einen Vergleich der Kosten von Naturrasen- und Kunstrasenspielfeldern sind die theoretisch möglichen bzw. praktisch nachweisbaren Belegungs- und Benutzungszeiten. Im Rahmen einer amtlichen Spielstundenerhebung in der Stadt Basel wurden daher 30 intensiv genutzte Naturrasenspielfelder und drei intensiv genutzte Kunstrasenfelder über eine Laufzeit von über drei Jahren täglich erfasst. Die detaillierten Belegungserhebungen dieser Spielfelder liegen dem Sportamt Basel-Stadt schriftlich vor. Es gibt Naturrasenfelder, die die magische Grenze von 1.000 Benutzungsstunden bereits überschreiten; andere Naturrasenspielfelder hingegen pendelten sich bei durchschnittlich 800 Stunden ein. Die durchschnittlichen Benutzungszeiten lagen bei 900 h für Naturrasenspielfelder und bei 1.300 h für Kunstrasenspielfelder.

 

Kostenarten Naturrasen / Kunstrasen

Investitionskosten (in SFr)
Investitionskosten pro Feld innerhalb 45 Jahren 549.000,00 2.311.500,00
Investitionskosten pro m² innerhalb 45 Jahren 73,20 308,20
Abschreibungskosten pro Feld und Jahr (linear) 12.200,00 51.366,00
Abschreibungskosten pro m² und Jahr (linear) 1,62 6,84

Laufende Unterhalts- und Betriebskosten (in SFr)
Unterhalts- und Betriebskosten pro Feld / Jahr 105.250,00 116.950,00
Unterhalts- und Betriebskosten pro m² und Jahr 14,05 15,60
Nur Unterhaltskosten pro Feld und Jahr 64.500,00 32.200,00
Nur Unterhaltskosten pro m² und Jahr 8,60 4,30

Gesamtkosten (in SFr)
Investitions-/Unterhalts-/Betriebskosten pro Feld und Jahr 117.450,00 168.316,00
Investitions-/Unterhalts-/Betriebskosten pro m² und Jahr 15,66 22,45
Durchschnittliche Benutzungszeit pro Jahr in Stunden 900 h 1.300 h
Vollkosten einer Spielstunde SFr 130,00 SFr 129,00

Interpretation

Naturrasen und Kunstrasen sind in den Gesamtkosten pro Jahr (auf 45 Jahre verteilt) unterschiedlich teuer. Der Naturrasen verursacht bei einer Belegung von 900 h Gesamtkosten von SFr 117.450,00 pro Jahr und Spielfeld. Der Kunstrasen liegt bei einer Belegung von 1.300 h mit SFr 168.316,00 pro Jahr und Spielfeld einiges höher. Bei den Gesamtkosten pro m² und Jahr stehen, unabhängig von der Intensität der Benutzung, der Naturrasen mit SFr 15,65 und der Kunstrasen mit SFr 22,45 zu Buche.

Alle angegebenen Preise beziehen sich auf den schweizerischen Markt und die dort üblichen Preisniveaus. Preise und Kosten können in anderen Märkten variieren und niedriger sein.

Das wichtigste Ergebnis dieser Studie sind – unabhängig vom Preisniveau – die Relationen der Kosten von Naturrasen- und Kunststoffrasen-Spielfeldern, bezogen auf die Nutzungsintensität:

Der Naturrasen hat mit einer Belegungszeit von ca. 900 Stunden pro Jahr seine techni-schen wie natürlichen Grenzen erreicht. Es wird immer schwieriger, die Benutzungszeiten eines Naturrasens relevant zu erhöhen. Zwar lassen sich mit neuen unterhaltstechnischen Methoden und Errungenschaften, wie z.B. mit neuen gezüchteten Gräsern oder mit wachstumsfördernden Hilfsstoffen (Enzymen, Rasenwachstumsregulatoren und Düngern), die Nutzungszeiten erhöhen. Doch diese Schritte werden, je besser die Unterhalts- und Pflegemassnahmen, auch immer kleiner und damit unwirtschaftlicher.

Andererseits macht ein teurer und unnatürlich wirkender Kunstrasen dann keinen Sinn, wenn die wirkliche Benutzungszeit vor Ort unter ca. 800 Stunden pro Jahr liegt. Erst ab einer Benutzung von über 1.300 Stunden pro Jahr wird der Kunstrasen rein rechnerisch wirklich günstiger und somit wirtschaftlicher. Je mehr auf dem Kunstrasen gespielt wird, umso niedriger werden die Vollkosten sein. Natürlich hat der Kunstrasen den grossen Vorteil, immer bespielbar zu sein, aber es ist oft sehr schwierig, dies in die Realität umzusetzen. Angesichts der nach wie vor zunehmenden Popularität des Fussballsports darf angenommen werden, dass der Bedarf an Spielfeldern auch in Zukunft weiterhin steigen wird. Vor allem im Winter sind Belegungen von Naturrasen-Spielfeldern zur Zeit nicht möglich. Der Mangel an freien Belegungskapazitäten kann in der nicht vegetativen Zeit nur durch Kunstrasenfelder gedeckt werden.

Es ist aber auch illusorisch zu glauben, der Kunstrasen werde 2.000 Stunden pro Jahr benutzt. Er könnte es rein theoretisch, aber in der Wirklichkeit werden die Plätze nicht optimal genutzt. Es wäre auch schwierig einen Amateurverein zu zwingen, im Winter am Montagmorgen auf dem Kunstrasenfeld zu trainieren. Auch die effektivsten Nutzungsmonate für den Kunstrasen (Dezember und Januar) liegen meistens brach. Der Kunstrasen wird leider effektiv selten mehr als ca. 1.300 Stunden im Jahr bespielt. Auch geben die Produzenten max. 8 Jahre Garantie auf den Kunststoffrasen, doch es ist anzunehmen, dass die Lebensdauer max. 12-15 Jahre beträgt.

Das positiv subjektive Empfinden der Sportler auf einem Naturrasen wird immer höher sein als auf einem Kunstrasen. Wir gehen davon aus, dass sich langfristig die Verwen-dung von Spielfeldern auf ein Verhältnis von vier Naturrasenspielfelder zu einem Kunstrasenspielfeld einpendeln wird. Da 95% aller Spielfelder für den lokalen Breitensport genutzt werden und nur etwa 5% auf die grossen Fussballstadien und Arenen entfallen, wird die Bedeutung des Kunstrasens in den Stadien wohl ein wenig hochgespielt und überbewertet. Viel wichtiger ist es, in den Sportanlagen der Kommunen und Städte die richtigen und nötigen Entscheidungen im Bereich von Planung, Bau, Betrieb, Unterhalt und Pflegemaßnahmen zu treffen, um so diese teuren und für den Sport so wichtigen Bauwerke wirklich optimal und wirtschaftlich zu nutzen.

Die ganze Studie kann auch unter http://www.ed-bs.ch/jfs/sport/publikationen
gratis herunter geladen werden.

 

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