Der Lippepark in Hamm setzt durch Ausstattung, Fallschutz und Design besondere Impulse

von Friedhelm Terfrüchte, Dipl.-Ing. Landschaftsarchitekt AKNW | BDLA | DASL, Planungsbüro DTP Landschaftsarchitekten GmbH

Der Lippepark in Hamm setzt durch Ausstattung, Fallschutz und Design besondere Impulse

Der Hammer Westen hat ein neues Highlight – auf den ehemaligen Bergbau-Flächen entstand ein außergewöhnlicher Landschaftspark, der drei Stadtbezirke umfasst. Kernbereich ist das 42 Hektar große Gelände des ehemaligen Schachtes Franz, das zum barrierefreien Stadtpark mit besonderen Attraktionen ausgebaut wurde. Der erste Teil dieser Fläche wurde im November 2012 für die Besucherinnen und Besucher freigegeben. Der zweite, fast doppelt so große Teil 2014.

Spazierengehen, Skaten, Bouldern, Kicken, Beobachten, Erinnern, Ausruhen, Kommunizieren – der Lippepark im Hammer Westen bietet zahlreiche Anziehungspunkte für Ruhesuchende, Freizeitsportler, mutige Sporttalente, Flaneure und auch spirituell Interessierte. Zwischen den Ortsteilen Bockum-Hövel, Herringen und Pelkum ist im Hammer Westen auf insgesamt 42 ha Flächen ehemaliger Bergwerke eine neue öffentliche Parklandschaft entstanden, die die Lebensqualität der 175.000 Einwohner am Ostrand des Ruhrgebietes entscheidend verbessert, den Strukturwandel in der vormals bergbaugeprägten Region sichtbar und erlebbar macht und wichtige städtebauliche, freizeitwirtschaftliche und soziale Impulse setzt.

Inmitten des neuen Parkbandes ist das 13,5 ha große Gelände Schacht-Franz Süd zum größten Sport- und Freizeitpark im Hammer Westen entwickelt worden. Eine frühzeitige und umfassende Beteiligung wurde über einen Ideenwettbewerb für die Bürger und einen Projektbeirat mit Vertretern aus allen gesellschaftlich relevanten Gruppen institutionalisiert. Kinder, Jugendliche, Kirchengemeinden, Moscheevereine, Menschen mit Behinderung, Künstler, ehemalige Bergleute, Einzelhändler, Kulturvereine und Grillliebhaber brachten ihre Ideen ein.

Eine einfache und übersichtliche Grundstruktur bestimmt den Park. Alle Attraktionen und Wege sind um den zentralen Wiesenpark angeordnet. Zwischen dem treppenerschlossenen Wallkopf und in die Platzfläche integrierten einzelnen Birkengruppen aus erhaltenen Beständen der vormaligen Zeche prägt das Parksignet den zentralen und prominenten Eingangsplatz. Er bildet gleichzeitig das Parkgelenk nach Süden. Westlich schließt der Waldpark mit kleinen Spielpunkten und einem Kinderspielbereich an. Ein Lärmschutzwall im Osten wurde in einen Promenadenpark mit einem galerieartigen Wallweg, Aussichtsorten, kleinen Gärten und einer Sitzstufenanlage vor der zentralen Veranstaltungsfläche transformiert.

 

Focus Fallschutz

Den nördlichen Rahmen bildet ein vielgestaltiges und vielfältig nutzbares ca. 6000 m² großes Fun-Sport-Podest. In enger Zusammenarbeit mit den Jugendlichen des Stadtteils, dem Jugendamt und ‚x.move play rock roll‘ entstand eine Anlage, die in Ihrer Angebotsvielfalt weit und breit ihresgleichen sucht: Pool, Jump Hill, Street Plaza, All-Wetter-Spielfeld, Lounge, Boulder-Wand und Parkour sind ganzjährig ein Eldorado insbesondere für die Jüngeren. Hier suchen und finden Bewegungstalente von nah und weit her die Herausforderung.

Gemäß der DIN 1176/1177-2008 waren besondere Anforderungen an den Fallschutz ab einer Fallhöhe von 0,60  Meter zu erfüllen. Fugenlose Playfix-Böden des Herstellers BSW wurden an der Boulder-Wand und auf dem gesamten Parkour-Areal eingebaut. Stürze von bis zu drei Metern werden so ausreichend abgefedert.

Die Playfix-Böden fanden auch Verwendung bei der sogenannten Lounge, einem Chillort inmitten des Funsport-Podestes. Das Material lässt sich auch auf geneigten und gewölbten Untergründen einfach aufbringen, ist wasserdurchlässig und relativ resistent gegenüber Vandalismus. Durch seine Elastizität unterstützt das Material Bewegungsabläufe am Boden. Entstanden sind über den Einsatz der farblich unterschiedlichen Beläge auch attraktive Aufenthaltsatmosphären.

Dank einer Beleuchtungsanlage wird das Funsportpodest ganzjährig und auch in den Abendstunden genutzt.

 

Projektideen

Aus über 100 Projektideen des Beirates wurden zwei besondere von den Planern aufgegriffen und realisiert.

Der „Platz der 5 Weltreligionen“ basiert auf einer Idee und dem Engagement des örtlichen „christlich-islamischen Gesprächskreises Herringen/Pelkum“. Es entstand der Wunsch nach einem öffentlichen Ort, der die multireligiöse Identität der Region abbildet und sich gleichzeitig für gemeinsame Veranstaltungen eignet. In enger Zusammenarbeit und manchmal auch durch hartes Ringen mit Vertretern der beiden großen christlichen Kirchen, der hinduistischen Gemeinde Hamm-Uentrop, der jüdischen Kulturgemeinde und der Deutschen Buddhistischen Union und dem Künstler Michael Düchting wurden die unterschiedlichen Glaubensvorstellungen und Weltanschauungen in das gemeinsame Projekt eingebracht. Fünf Stahltore führen auf einen Platz mit fünf im Kreis angeordneten Stehpulten. Die Tore versinnbildlichen die verschiedenen Zugänge der Religionen zum Glauben. Tore und Pulte sind mit religiösen Symbolen versehen, auf den Pulten finden sich Kernbotschaften der jeweiligen Glaubensrichtung. Entstanden ist ein Ort der Toleranz, der Spiritualität und der gegenseitigen Wertschätzung, immer wieder besucht von Schulgruppen, den Religionsgemeinden und zahlreichen auswärtigen Interessierten. Angesichts der aktuellen religiös motivierten politischen und militärischen Auseinandersetzungen ein bemerkenswertes Signal und Zeichen in einem öffentlichen Park.

Die besondere Geschichte dieses Standortes bleibt am „Ort der Bergbaugeschichte“ inmitten der nördlichen Parkwiese lebendig. Umgeben von einer Staketenzaunanlage erinnert der Ort an den Standort des zwischenzeitlich verfüllten Schachtes der damaligen Zeche Franz mit der sogenannten Protego-Haube zum kontrollierten Ableiten von Grubengas. Außenherum entstand eine Outdoorausstellung mit Foto- und Textdokumenten der letzten 100 Jahre zur Bergbaugeschichte des Ortes.

Bei der technischen Umsetzung der Vielzahl an besonderen Parkelementen wurde neben einem prägnanten Design ein großes Augenmerk auf die Alltagtauglichkeit, Sicherheit, und Langlebigkeit gelegt. Rampenerschließungen und ein in den Rundweg integriertes taktiles Leitsystem schaffen einen barrierearmen Stadtpark.

Der Beteiligungsprozess und die besondere Gestaltungsqualität des Lippeparks Hamm sind mehrfach ausgezeichnet und gewürdigt worden, unter anderem 2010 mit dem Bundespreis „Soziale Stadt“ und dem 2. Platz im Europäischen Wettbewerbs 2012 „City for children“.

 

Foto: Berleburger Schaumstoff Werke (BSW), DTP Landschaftsarchitekten GmbH Essen und scape Landschaftsarchitekten GmbH Düsseld

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